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Jinshi und Maomao Kurzgeschichten

Summary:

Die deutschen Versionen aller meiner Fanfics zu den Tagebüchern der Apothekerin.

These are the German versions of all my Apothecary Diaries-fanfics.

The English original versions are here:
https://archiveofourown.org/series/3816475
and
https://archiveofourown.org/series/3879172

Notes:

Bisher hab ich die deutschen Versionen meiner Geschichten ausschließlich auf Fanfiktion.de veröffentlicht und dachte mir, dass ich das vielleicht auch mal hier tun sollte, vielleicht will's ja jemand lesen. :)

Chapter 1: Eine unerwartete Begegnung

Chapter Text

Kurzbeschreibung:

Es war sehr spät und der (wieder mal) überarbeitete Jinshi war endlich unterwegs zu seinem Bett. Aber er hätte niemals geahnt, worauf er unterwegs stoßen würde...

 

 

Ein Gähnen unterdrückend und vor Erschöpfung kaum noch in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, spazierte Jinshi durch die Korridore seiner Residenz, unterwegs zu seinem Schlafzimmer. Es war bereits ziemlich spät und das nun vollkommen stille Haus war in Dunkelheit getaucht, beleuchtet lediglich von dem schwachen Licht der Kerze, die er in der Hand hielt und die ihm den Weg wies. Er rieb sich die Augen, und ein leichter Schauder durchzog seinen Körper beim Gedanken daran, dass am nächsten Tag zweifellos ein neuer Berg an Papierkram auf ihn warten würde, der nie kleiner zu werden schien.

In seiner Bestrebung, zumindest das Wichtigste vor dem Schlafengehen zu erledigen, hatte er jedes Zeitgefühl verloren, und bevor er sich versehen hatte, war es bereits Nacht. Einfach wundervoll, nicht wahr? Er hatte sich wieder mal überarbeitet, und das obwohl er Maomao doch versprochen hatte, mehr auf seine Gesundheit zu achten und sich genug Erholung zu gönnen. Urgh! Sie würde seinen Zustand sofort bemerken, so viel war sicher. Er konnte fast schon ihr missbilligendes Seufzen hören und sehen, wie sie ihn anstarrte, als sei er eine widerliche Nacktschnecke, die an ihren Füßen vorbeikroch und dabei eine Schleimspur hinterließ. Oder möglicherweise ein Wurm. Jinshi ertappte sich beim Gedanken, dass er eigentlich gar nichts dagegen hatte und sich sogar darauf freute. Ein bisschen. Aber nicht, weil er ein Masochist war, natürlich nicht! Er hatte bloß die ganzen verzückten Blicke satt, die alle anderen Frauen (und auch einige Männer) ihm zuwarfen, ganz überwältigt von seiner Schönheit.

Apropos, Maomao... nun, da er an sie dachte, fiel ihm auf, dass er sie den ganzen Tag kaum zu Gesicht bekommen hatte. War sie wieder mit dem Zusammenmischen von Medizin beschäftigt gewesen oder vielleicht mit Kräutersammeln? Oder hatte seine gnadenlose Zofe Suiren sie etwa unter einem Berg von Aufgaben begraben?

„Sie lässt sie ab und zu wirklich fast zu Tode schuften, was?", murmelte Jinshi mit einem Kichern und bog um die Ecke. Doch da bot sich ihm ein ungewöhnlicher Anblick: da war etwas auf dem Boden, an die Wand gelehnt. Er leuchtete mit seiner Kerze darauf und stellte überrascht fest, dass es sich nicht um ein Etwas, sondern um eine Person handelte...

„Maomao!", stieß er aus, auf einem Schlag hellwach werdend, stürmte panisch zu ihr und kniete sich neben sie hin. Die Kerze wäre ihm beinahe aus der zitternden Hand gefallen.

Die junge Frau saß mit geschlossenen Augen auf dem Boden, den Rücken gegen die Wand gelehnt. Sofort kam ihm ein fürchterlicher Verdacht, der Gedanke, dass die Angst, die er seit dem ersten Mal, als er erlebt hatte, wie sie Gift konsumierte, mit sich herumtrug, sich nun doch bewahrheitet hatte: die Angst, dass sie sich versehentlich eines Tages eine tödliche Dosis irgendeiner Substanz verabreichen würde. Denn egal wie immun und resistent ihr Körper auch sein mochte, sie war immer noch ein Mensch und Gift war Gift. Eine große Menge davon könnte sogar sie töten.

Im Versuch nachzudenken, was er tun sollte, und ob er sie vielleicht noch retten könnte, wenn er sie zum Erbrechen brachte, nahm er plötzlich die ruhigen Bewegungen ihrer Brust wahr und blickte genauer hin. Dann erstarrte er für einen Augenblick und hielt vorsichtig sein Ohr an ihre Brust: sie atmete, und ihr Herz schlug. Sie war definitiv am Leben.

Bloß im Tiefschlaf.

Er entspannte sich wieder, senkte den Kopf, seufzte und hätte vor Erleichterung beinahe losgelacht, schaffte es jedoch, sich im letzten Moment zu beherrschen.

Auf dem nackten Boden im Korridor schlafen... das brachte wirklich nur Maomao fertig. War sie echt so müde gewesen, dass sie es nicht ins Bett geschafft hatte? Aber um ehrlich zu sein, war er nicht wirklich überrascht, musste er zugeben, denn an ihren ungewöhnlichen Charakter hatte er sich bereits gewöhnt.

Wieder vollkommen ruhig geworden, warf er einen erneuten Blick auf ihr sommersprossiges Gesicht. Also war es auch für sie ein langer und harter Tag gewesen, nicht wahr? Welch Ironie: da tadelte sie ihn wegens Überarbeitens und tat dies dann selbst.

Während sein Blick und seine Gedanken sich in ihren entspannten Gesichtszügen verloren, fuhr er mit seiner großen Hand über ihre Wange und strich mit dem Daumen darüber, unbewusst, jedoch trotzdem vorsichtig, um sie nicht aufzuwecken. Es war irgendwie seltsam, dass er das nun so frei machen konnte, ohne dass sie zusammenzuckte oder ihm einen Blick zuwarf, von dem einige Zofen bestimmt vor Angst erstarren würden.

Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln. So wie sie jetzt aussah, musste er zugeben, dass sie wirklich süß war. Na ja, eigentlich hatte er sie fast von Anfang an bereits süß gefunden, trotz ihres eher unscheinbaren Gesichtes, doch nun, da sie so fest schlief, war sie es mehr denn je.

Sie wirkte so klein und verletztlich... Jinshi musste zugeben, dass ihr zierlicher Körper in ihm den Wunsch erweckte, sie zu beschützen... obwohl sie ihm eigentlich schon mehr als nur ein Mal bewiesen hatte, dass sie weder schwach noch zerbrechlich war und schon gar nicht unterschätzt werden durfte.

Bei der Erinnerung an ihr Kakao-Aphrodisiakum musste Jinshi grinsen. Weder er noch die anderen Anwesenden konnten an dem Tag ihren Ohren trauen, als sie ihnen erzählt hatte, dass sie sich die übriggebliebene Schokolade als Snack zurückgelegt hatte! Gar nicht zu sprechen davon, wie oft sie bereits Dinge konsumiert hatte, die nicht konsumiert werden sollten, und es auch noch zu genießen schien. Zuerst hatte er vermutet, dass sie nicht ganz richtig im Kopf war, aber mit der Zeit begriffen, dass es sich um keine Verrücktheit, sondern einfach um ihren Charakter handelte.

Jawohl, Maomao war wirklich absolut einzigartig, so einzigartig, dass er sich sicher war, bis zu seinem Lebensende keiner anderen Person zu begegnen, die so war wie sie. Und obwohl er sich ein wenig für diesen Gedanken schämte, empfand er eine gewisse Dankbarkeit gegenüber denen, die sie entführt und in den inneren Palast gebracht hatten, denn andernfalls wären sie sich bestimmt nie begegnet.

Er entdeckte einige Kräuter auf ihrem Schoß und stopfte sie in ihre Ärmel, wo sie ganz bestimmt herausgefallen waren (und nein, er hatte nicht den blassesten Schimmer, was das für Kräuter waren, und wollte es auch, ehrlich gesagt, gar nicht wissen). Danach blieb er einfach schweigend neben ihr sitzen und beobachtete sie beim Schlafen, darüber ganz die Zeit vergessend und auch seine eigene Erschöpfung, welche nur darauf wartete, ihn wieder mit voller Kraft anzufallen. Der Anblick war irgendwie hypnotisierend.

Auf einmal nieste sie im Schlaf, ein Geräusch, das die Stille der Nacht durchbrach und ihn beinahe hochschrecken ließ. Erst jetzt merkte er, dass es im Korridor tatsächlich ziemlich kühl war, also wäre es keine so gute Idee, sie dort noch länger schlafen zu lassen, sonst würde sie sich noch erkälten.

Er stellte die Kerze zusammen mit dem Kerzenhalter auf den Boden, stand auf und bückte sich, um Maomao vorsichtig hochzuheben. Dann stand er einige Augenblicke lang da, um sicherzugehen, dass sie immer noch fest schlief, und schritt los in Richtung ihres Zimmers, um sie ins Bett zu bringen, sich unterwegs vorstellend, was für ein Gesicht sie wohl machen würde, sollte sie jetzt, in diesem Moment aufwachen. Die Kerze blieb auf dem Boden zurück, da Jinshi keine freie Hand hatte, um sie mitzunehmen.

Jedoch nicht für lange: kaum war er weg, tauchte auch schon Gaoshun aus einer Ecke auf und hob sie auf, sich fragend, ob sein Herr sich in der Dunkelheit und mit Maomao in den Armen in der Dunkelheit zurechtfinden würde.

Er war ganz zufällig auf diese friedliche Szene gestoßen, als er ebenfalls im Korridor unterwegs gewesen war, und beschloss, sich versteckt zu halten und diese beiden nicht zu stören.