Chapter Text
Wissenschaftler fragen sich schon seit Anbeginn der Modernen Paranormalen Lehren, was die Ersten Erinnerungen von Roboter sind.
Warum hat bisher niemand sie danach gefragt?
Roberts erste Erinnerung, war die Stimme seines Schöpfers Gerd Geek, wie er Schimpfte, die Musik im Radio nachsummte und das Rattern der Maschine samt Werkbank, die ihm Leben einhauchte.
Nach allen Sims-Gesetzen in Merkwürdighausen, war er, sobald seine Persönlichkeit installiert wurde, ein eigenständiger Sim mit allen Rechten und Pflichten.
Die Pflicht zu arbeiten und Geld zu verdienen und das Recht nicht bloß ein Deko Gegenstand zu sein.
So begann Roberts Leben. Er wurde als Männlicher Roboter entworfen, hatte einige Talentpunkte in Kochen und Sauberkeit und wurde von seinem Erschaffer eigentlich nur entwickelt, um als Babysitter zu fungieren.
Sein Erschaffer, Gerd, hatte sein ganzes Leben nur gearbeitet. Sich ein nettes Haus gebaut und die Karriereleiter der Wissenschaft ganz nach oben geschafft.
Eigentlich wollte er seinen Ruhestand genießen, doch dann geschah etwas, wofür Merkwürdighausen fast schon berüchtigt war. Er wurde von Außerirdischen entführt und kam mit einem Alienbaby zurück.
Gerd wollte kein Vater sein, was nicht hieß, dass er die Vaterrolle schlecht machte. Es war eher all das Nervige Zeug drum herum, das Gerd nicht machen wollte, wie Windeln wechseln, Flasche geben, später auch bei Hausaufgaben helfen und Ausgangssperren durchsetzen.
Dafür hatte er Robert erschaffen und genau das tat er auch. Viele Sims Tage lang.
Ohne zu murren.
Die Zeit verging. Der Alien-Junge wurde Erwachsen, Gerd starb und das Leben zog vorbei.
Robert wurde rausgeschmissen, aus dem Haushalt, wo er lange gedient hat. Auch wenn er eigentlich ein Freier Sim war, so hatte er diese Freiheit bislang jedoch nie auskosten können.
Robert hatte zu wenig von der Welt gesehen. Zu wenige Freunde kennengelernt.
Konnte er überhaupt lieben?
Mit den wenigen Geld, dass er gespart hat, nachdem er eine kleine Holzhütte mitten in der Wüste gekauft hat noch übrighatte, ließ er eine Heiratsvermittlerin kommen. Und, was sollte er sagen?
Es war Liebe auf den Ersten Blick!
Ihr Name war Roberta. Sie war ein Roboter, so wie er selbst. Erbaut von Lutz Kurios, der sie erschaffen hat, nur um sich wie ein Spieler zu fühlen und sie dann aus seinem Haus rauszuwerfen und zu vergessen.
Er hatte einen Zweck gehabt, ihn erfühlt und war dann freigelassen worden.
Roberta jedoch wurde einzig und allein nur erschaffen, weil ein anderer Sim Lust dazu hatte.
Als er sie zum ersten Mal traf, war Roberta traumatisiert. In sich gekehrt und lachte nicht.
Das Erste Date das er mit ihr, im Beisein der Heiratsvermittlerin hatte, lief schleppend. Langsam.
Sie war schüchtern und hatte Vertrauensprobleme.
Ihre künstlichen Augen sahen durch ihm hindurch und die Antenne auf ihren Kopf hing traurig herab.
Bei diesen Treffen wurden sie erst Bekannte, während Robert bereits wusste, dass sie es für ihm war.
Beim zweiten Date wurden sie Freunde.
Beim dritten Verliebte.
Robert beneidete die Sims sehr oft. Beneidete sie um ihre Kindheit, Eltern, Stammbaum, bedingungslose Liebe und ein behütetes ankommen in der Welt.
Wenn es aber um Zeit ging, dann lebten die Roboter besser.
Weder er noch Roberta alterten. Sie konnten sich Zeit lassen. Einander kennenlernen und ohne Druck ihr Lebensziel entgegenkommen.
Das Leben von Anfang ihrer Erschaffung war nicht gerade toll gewesen, es wurde jedoch besser.
Roberta erzählte ihm eines Nachts am Kamin, für den sie beide drei Gehälter gespart hatten, von ihrer Erschaffung.
Lutz wollte einfach ausprobieren, wie weit er das Roboterbauen beherrschen konnte und als er Roberta dann erschaffen hat, verlor er Augenblicklich das Interesse an ihr.
Er mochte wenig vom Paranormalen. Hatte aus diesem Grund auch fast allen Kontakt zu seinen Brüdern abgebrochen.
Vielleicht wollte er auch keinen Zeugen, da er eine lange vermisste Frau in seinem Haus beherbergte…
Was immer der Grund war, sobald Roberta erschaffen wurde, wurde sie auch schon vor der Tür gesetzt.
Ohne Zweck. Ohne Erinnerungen und ohne Freunde.
Robert hielt in diese Nacht mit seinen metallischen Händen die ihre.
„Diese Zeiten sind vorbei. Du wirst niemals mehr alleine sein.“
Zum ersten Mal erreichte das Lächeln ihre Augen.
„Ich glaube dir.“
Für ihm waren diese Worte ihr größter Vertrauensbeweis.
Die Sims Tage kamen und gingen. Das Leben kehrte sich in einen normalen Rhythmus ein.
Eine kleine Hütte in der Wüsste ohne Wände. Ohne Kühlschrank, Badezimmer, Schrank oder Bett.
Sie brauchten nichts Essen, Wasser war ihr Feind und es gab keine Kleidung die sie tragen konnten.
All dieser unnütze Schnickschnack stellte nicht das kleine Haus voll.
Ein Klappbett hatten sie sich am Ende doch zugelegt, um gelegentlich gemeinsam ein bequemes Techtelmechtel zu haben.
Darum bestand die Hütte aus offenen Wänden in Form von Bücherregalen, eine Mahl Ecke, einigen Plastikpflanzen und ein Sofa mit Fernseher und der Computer zum Spielen.
Der Garten draußen war so trostlos wie die Wüste. Die Wandfarben und der bunte Teppich glichen das wieder aus.
Es war ein ruhiges Leben.
Aufwachen, zur Arbeit gehen. Roberta Mahlte danach und er spielte am Computer und die Nacht über schauten sie Fernsehen.
Zwischendurch standen sie dann bei gutem Wetter so zwei Stunden in die Sonne, um die Batterien aufzuladen.
Das Leben war gut.
Robert schaffte es an einem Nachmittag an die Spitze der Wirtschaftskarriere. Sein Lebensziel war damit abgeschlossen.
Er war in Feierlaune!
Kurz entschlossen trommelte er Arbeitskollegen, sein Ziehkind und eine Hand voll wirklicher Freunde zusammen und veranstaltete eine Party.
Laut strömten die Gäste in sein Haus. Sekt wurde geöffnet und eine Torte angeschnitten.
Als Roberta eine Stunde später in das voll Besuchte Zuhause kam, erwartete er sie fröhlich vorzufinden.
Schüchtern fröhlich zwar, aber dennoch glücklich.
Glücklich für ihm.
Stadtessen brach sie bereits vor der Haustür zusammen.
Sie waren einen Nervenzusammenbruch nahe. Hatte einen Mehlsack von der Arbeit mitgebracht und wiegte diesen laut singend an ihre Brust.
Die Party war fast Augenblicklich zu Ende. Die Gäste ergriffen die Flucht.
Ein Psychiater wurde gerufen und machte Roberta, zumindest für den Moment, wieder zurechnungsfähig und ansprechbar.
Die ganze Zeit über ging Robert von einer Zimmerecke zur anderen. Knirschte mit seinen Gelenken, die mal wieder Öl vertragen konnte und polierte sich die Augen.
Was hatte seine Ehefrau nur? Er hatte geglaubt, sie sei als Vorschullehrerin glücklich.
Die wahre Antwort und ihr wirklicher Wunsch, wurde mitten in der Nacht bei abgeschaltetem Fernseher und entzündeten Kamin offenbart.
„Robert, ich möchte ein Kind haben. Ein Kind, um dass wir uns kümmern können. Das wir aufwachsen sehen. Ich will Enkelkinder haben. Enkel um mich haben. Sechs Stück am liebsten.“
Robert blinzelte und stotterte dann etwas, als seine Schaltkreise zu überhitzen drohten.
Er hatte nichts gegen Kinder. Wirklich nicht!
Allerdings war jeden in Merkwürdighausen klar, dass Roboter keine Kinder zeugen konnten.
Roberta und er würden niemals leibliche Kinder haben können.
Wenn sie einen anderen Roboter erschufen, so wären sie deren Erschaffer und nicht die Eltern.
Da gab es nur noch die Möglichkeit zu Adoptieren und auch das war… kompliziert.
„Berta, wir können nur ein Simskind Adoptieren. Ein Kind braucht Essen, Wasser und einen Schlafplatz. Wir müssen unser Haus dafür vergrößern und Renovieren.“
Trotzig sah sie ihm an.
„Dann machen wir das! Du wurdest gerade befördert. Ich brauche ein Kind in mein Leben und kein Geld.“
Roberts biss seinen Kiefer fest zusammen.
„Normale Sims sterben irgendwann. Wir werden unser Kind überleben und auch alle Enkelkinder.“
Robertas Augenlinse zuckte.
„Die Sims um uns sterben ohnehin. Warum nicht einigen unser Herz schenken und freiwillig brechen lassen. Wir werden gute Eltern sein. Es ist nur unser Schmerz und nicht die unseres Kindes.“
Robert seufzte nur und fasste sich an die Stirn. Es gab eigentlich keine wirkliche Entscheidung mehr, seit er Roberta apathisch am Boden gesehen hat.
„Ich werde mich morgen früh drum kümmern.“ Versprach er aufrichtig und gab seine Ehefrau, einen kühlen Kuss auf ihre Metallische Stirn.
Der Weg der Adoption war Steinig und herausfordernd.
Das Haus wurde vergrößert, ein Bad und eine winzige Küche gekauft und ein Kinderzimmer in Himmelsfarben eingerichtet.
Am Tag wo ihr Kind gebracht werden sollte, fanden sie beide keine Ruhe. Bewegungslos starrten sie auf den Fernsehbildschirm, währen eine Störung das Programm unterbrach.
Es war anstrengend und berauschend.
Sie beide wussten nicht ob es ein Junge oder Mädchen werden würde. Das hatte die Sozialarbeiterin beim Anruf nicht gesagt. Nur das alter konnten sie aussuchen.
Roberta hatte sich für ein Kleinkind entschieden.
Klein genug um alles mitzuerleben, aber auch alt genug, um für einige Eltern bereits unattraktiv in Sachen Adoption zu sein.
Als das Auto dann um acht Uhr morgens vorfuhr und wortlos und in Eile ihre Tochter von der Sozialarbeiterin vor der Haustür absetzt wurde, starrten er und Roberta sich eine ganze Minute nur völlig verdattert an, während das Kleinkind laut lachte und mit den Armen um sich schlug.
„Das muss doch ein Fehler sein.“ Murmelte er.
Er war der Erste der die Stille durchbrach.
Roberta zögerte. Ihre Augen glitten von ihm, zum Mädchen auf den Rasen vor ihrem Haus.
Die winzigen hellgrünen Armen griffen fröhlich in ihrer Richtung.
Das genügte ihr.
Seine Frau löste sich aus der Starre und rannte auf das Kind zu. Hob es in ihre Arme und drückte es an ihrer Brust.
„Willkommen Zuhause, kleine Blume.“
Das Waisenhaus hatte ihnen ein Pflanzen-Sim gebracht.
Ein Kleinkind, ganz mit hellgrüner Hautfarbe und Ranken-Muster auf der Haut. Das Haar war eine zarte Blume und die Augen waren gebogen und von einem Sonnengleichen gelb.
Ihr Name war Liv Geek.
Liv, wie sie irgendwann einmal benannt wurde. Geek mit Nachnamen nach der Familie, zu der sie ab heute gehörte.
Zum Schutz wurden Waisenkinder, allen Verbindungen zu ihrer Geburtsfamilie beraubt. Sie hatten keine Ahnung woher diese kleine Blume kam. Nur auf Nachfrage wurde angedeutet, das Liv mitten in der Wüste ausgesetzt wurde.
Es war Roberta egal und ihm selbst nach einem Tag auch.
Die Küche wurde wieder verkauft.
Der so geliebte Kamin, nach einem Seitenblick auf Livs tapsige Schritte schnell abgesperrt und dann in seine Bestandteile zerlegt.
Pflanzensims brauchten genauso wenig Sims Nahrung, wie es Roboter brauchten. Die Wiege wurde ebenfalls weggegeben. Dafür wurden spezielle Gewächshaus Lampen gekauft und der sehr lange vernachlässigte Garten endlich grün gepflanzt und gepflegt.
Liv konnte so den ganzen Tag über draußen unter den Sprinkler spielen.
Nachts rannte sie lachend mit ihren Teddybären durch das Haus.
Sie liebten Liv von ganzen metallischen Herzen… es gab dabei nur ein Problem.
Wasser…
Überall war Wasser!
Der ganze Garten war Nass und Abends trug sie nasse Fußspuren ins Haus.
Morgens liebte es ihre Tochter gebadet zu werden. Roberta übernahm das und jedes Mal flogen ihr die Sicherungen raus und sie bekam einen Stromschlag.
Wasser und Robotersein vertrug sich nicht…
Bei jedem Funken der von der Feuchtigkeit von der Metallenden Haut umherflog, Lächelte Roberta jedoch.
Lächelte durch jeden Schmerz.
Lachte über jede Minute an Angst, die Robert ausstand, seine Frau so nahe der randvollen Badewanne zu sehen.
Zaghaft fasste er sie an einem Tag an die Schulter.
„Vielleicht sollten wir uns ein Kindermädchen für diese Sachen holen.“ Schlug er ihr vor.
„Nein.“ Abwesend schüttelte Roberta den Kopf. Ihr Lächeln war ihm inzwischen vertrauter als die Traurigkeit, mit der er sie kennengelernt hatte.
„Liv ist mir jeden Stromschlag wert und sie wird doch so schnell erwachsen. Ich will jeden Augenblick auskosten.“
Eine weitere Sorge mischte sich in Roberts Augen. Wenn Liv irgendwann gehen musste, würde sie einen großen Teil ihrer Herzen mit sich nehmen. Aber bis dieser dunkle Tag einmal kommen musste, würde sie ihnen das dreifache an Freude in ihrer Existenz gebracht haben.
Ja, das war es wert.
