Chapter Text
Vorwort
A Study in Pink - Sherlock BBC
John: Harry is short for Harriet.
Sherlock: Harry is your sister!
John: And what exactly am I supposed doing here?
Sherlock: Sister!!!
John: Seriously! What am I doing here?
Sherlock: There's always something!
Leider wird weder der deutsche Untertitel (Irgendwo hakt es immer) noch die deutsche Synchronfassung (Da findet sich schon etwas) der Zweideutigkeit von There's always something! gerecht. Aber immerhin geben die beiden deutschen Versionen zusammen genommen beide Lesarten wieder :P
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(K)ein Fall für Sherlock Holmes
Wenn Blicke töten könnten, dann hätte Scotland Yard jetzt einen weiteren Mord zu klären. Wobei der Täter unschwer zu überführen wäre.
Sherlock Holmes war mit wehendem Mantel in das viktorianische Haus gestürmt und so plötzlich an der Türe zum Salon stehen geblieben, dass ich prompt in ihn prallte. Auch mir genügte ein kurzer Blick, um die Situation zu erfassen. Elaborierte Deduktionen waren hier nicht nötig. Die Platzwunde am Hinterkopf des Opfers, welches bäuchlings auf dem Perserteppich lag. Das zerbrochene Hochzeitsfoto am Fuße des Kamins. Der schmale Ehering, der neben der immer noch beringten Hand des Toten in einer Blutpfütze lag. Der blutverschmierte Schürhaken, mit dem jemand nach der Tat noch einige Male gegen die Wand geschlagen hatte.
Langweilig. Öde. Einfallslos. Eine Zeitverschwendung. Ich hörte die Tirade im Geiste, obwohl Sherlock eisig schwieg und DI Greg Lestrade tödliche Blicke zuwarf. Dann drehte er sich wortlos (und zugegebenermaßen äußerst anmutig) auf den Absatz um und eilte mit klackernden Schritten durch die große Halle davon. Na wunderbar, jetzt würde der Herr wieder tagelang schmollen.
Etwas genervt fauchte ich den DI an. "Verdammt, Greg, was sollte das? Dafür brauchst du Sherlock wirklich nicht!"
Greg zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Ich wollte nur sicher gehen, dass mir nichts entgeht, bevor ich seine Frau als Verdächtige festnehme. Der Fall wird Wellen schlagen. Die beiden sind bekannt. Das Opfer ist ein bekannter Arzt, und seine Frau eine aufsteigende Politikerin.“
Ich zog eine Augenbraue hoch und setzte zum Reden an. Aber Greg ließ mich nicht zu Wort kommen. "Ja, ich hab‘ mir mal wieder die Blöße vor Sherlock Holmes gegeben. Und wenn schon? Nichts Neues unter der Sonne. Aber das da, das wird ein Skandal. Und vor versammelter Presse verkünden müssen, dass wir eine Prominente fälschlicherweise des Mordes angeklagt haben, dass brauche ich dann echt nicht."
Ich schüttelte ungläubig den Kopf und schnaubte. "Du schuldest mir ein Bier. Oder zwei."
Greg hob fragend die Augenbrauen.
"Für den häuslichen Terror, den ich in den nächsten Tagen zu ertragen habe."
Greg lachte, wenn auch etwas schuldbewusst. "Kein Problem. Das hier wird uns heute noch ziemlich beschäftigen. Den Tatort sichern, die Mörderin überführen und so. Du kennst das ja. Vielleicht morgen? Ich geb‘ dir Bescheid."
Ich nickte und ließ den Blick noch einmal über die Leiche gleiten. Das Opfer war zwar schon silbergrau, aber sein Körper wirkte nach wie vor kräftig und sportlich. Ich fragte mich, wie alt der Mann wohl war, und trat neugierig ein paar Schritte näher. Da erst fiel mir das Muttermal ins Auge, das am Nacken aus dem Hemd hervorlugte. Es war nur leicht dunkler als die Haut rundherum, hatte aber eine unverkennbare Form. Ich trat erschrocken von der Leiche zurück.
Das war Nick. Nick Norwick. Wir hatten zusammen studiert, uns dann aber aus den Augen verloren. Nick hatte sich nach dem Studium zum Kardiologen spezialisiert. Ich dagegen war Chirurg geworden und danach zur Armee gegangen.
Auch wenn sich unsere Wege seit vielen Jahren nicht mehr gekreuzt hatten, machte es mich betroffen, Nick als Leiche zu sehen. Ich schaute mich noch einmal um. Verweilte eine Weile beim zerbrochenen Hochzeitsfoto. Eine Scherbe hatte Nicks Gesicht zerkratzt. Ich konnte seinen Ausdruck nicht erkennen. Die Frau war aber noch gut zu sehen. Sie lachte ihren Mann strahlend an, der Glanz in ihren Augen sprach von tiefer Zuneigung.
Ich seufzte. Ich konnte mir gut vorstellen, was hier passiert war. Was die Frau dazu gebracht hatte, den Mann, den sie einmal von Herzen geliebt hatte, so brutal aus ihrem Leben zu entfernen. Ein Befreiungsschlag. Die Verzweiflung einer Frau, die ihrem Liebsten niemals genügen würde, wie sehr sie sich auch anstrengte. Ausgebrannt, weil sie immer außer Konkurrenz lief, niemals gewinnen konnte.
Das Gefühl war mir nicht ganz unvertraut. Sherlock, mein Mitbewohner, bester Freund, der Mann, der mich das Leben atmen ließ, brannte für seine Arbeit. Ich würde immer an zweiter Stelle stehen.
Natürlich war ich immer wieder mal hilfreich als sozialer Puffer am Tatort. Manchmal war ich mit meinem medizinischen Wissen von Nutzen. Und sicher war es schmeichelhaft für ihn, wie ich ihn zu Helden in meinem Blog machte. Ich war bequem für all die Alltagsdinge, die ich Sherlock abnahm, auch wenn ich mich manchmal fragte, wie viel davon Sherlock überhaupt mitbekam.
Aber niemals würde ich, der bodenständige Arzt, der leidlich begabte Blogger, der kriegsgezeichnete John Watson, Sherlocks Interesse fesseln können, wie dies ein spannender Fall tat.
Wenigstens hatte ich von Anfang an gewusst, dass ich nicht im Rennen war. Mir war bewusst gewesen, worauf ich mich einließ, als ich zu Sherlock gezogen war und ich hatte mich mit der Situation abgefunden. Ich mochte es, dass Sherlock mich an seinem Leben teilhaben ließ. Er bezog mich in seine Ermittlungen ein, und zuweilen vertraute er mir gar sein Leben an. Er teilte mit mir die Wohnung und den Alltag. (Was auch immer es über meine geistige Gesundheit aussagte, dass ich das Leben an der Baker Street trotz Sherlocks Launen und Allüren genoss.) Und was mir von Sherlock fehlte, was Sherlock mir niemals geben würde, das holte ich mir halt bei einer kleinen Romanze hier und einer Kurzbeziehung da.
Ich fragte mich, wie Nicks Ehefrau mit ihrem Platz in seinem Leben umgegangen war. Wann hatte sie kapiert, dass sie sein Interesse nicht wirklich fesseln konnte? Hatte sie schon lange zugeschaut, wie Nick sie betrogen hatte? Oder hatte sie die verstörende Wahrheit erst jetzt entdeckt? War das Leben, das sie geführt hatte, das vermeintliche Glück, das sie gelebt hatte, überraschend und schlagartig in ihren Händen zerbröselt? Ich wusste nämlich mit absoluter Sicherheit: Nick Norwick brannte für Männer.
Ich überlegte, ob ich Greg einen Tipp geben sollte, entschied mich dann aber dagegen. Der Fall war nicht kompliziert und Greg war fähig genug, selber den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Dass ich den Mann von früher kannte, tat nichts zur Sache. Es gab keinen Grund, mich gerade jetzt zu exponieren.
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