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All the Young Dudes

Summary:

Hinweis: Wir haben diese Fanfiction nicht selber geschrieben, sondern nur aus dem Englischen übersetzt. Geschrieben wurde sie von MsKingBean89

Diese Fanfiction ist sehr lang und enthält eine slow-burn Beziehung zwischen Remus und Sirius, welche über ihre gesamte Schulzeit geht. Auf Englisch ist sie komplett veröffentlicht; wenn ihr also auf ein Kapitel nicht warten könnt, müsstet ihr damit vorliebnehmen.

Verfasst wurde sie aus Remus' Perspektive. Der einzige, große Unterschied zwischen J.K. Rowlings Beschreibungen ist, dass hier Remus' Vater gestorben ist und er in einem Kinderheim aufwächst. Zeitlich spielt sie von 1971 bis 1995. Es wird somit die Schulzeit der Rumtreiber thematisiert, aber auch die Zeit danach.

Uploads immer dienstags und freitags

Im Laufe der Fanfiction werden unterschiedliche Lieder erwähnt, welche die Rumtreiber hören.
Spotify playlist:
https://open.spotify.com/user/htl2006/playlist/3z2NbLq2IVGG0NICBqsN2D?si=Liyl_JKJSx2RUqks3p50kg

Notes:

Chapter 1: Sommer 1971: St. Edmunds

Chapter Text

Samstag, 7. August 1971

Er wachte im Dunkeln auf. Es war zu heiß in dem kleinen Zimmer, in das sie ihn gesteckt hatten, weil es Anfang August war. Obwohl er vermutete, dass es auch das Fieber sein könnte. Am Morgen danach hatte er immer Fieber. Früher hatten sie ihn in einen Raum mit Fenstern gesteckt, aber vor ein paar Monaten war er in der Lage gewesen, eines davon zu zertrümmern und ohne das Fenstergitter wäre er entkommen. Er hatte gehört, wie sie davon sprachen, ihn zu fesseln, sobald er älter sein würde. Er versuchte, nicht daran zu denken.

Er erinnerte sich an das Gefühl des Hungers, so intensiv, dass es sich in Wut verwandelte. Er erinnerte sich, dass er stundenlang heulte und in der Zelle auf und ab lief. Vielleicht würden sie ihn heute aus dem Unterricht entlassen und er könnte schlafen. Es waren sowieso Sommerferien, und es war nicht fair, dass er zum Unterricht musste, während alle anderen Jungs den ganzen Tag herumhängen, Fußball spielen oder fernsehen durften. Er setzte sich auf, dehnte sich vorsichtig, achtete auf jeden Schmerz und jedes Knacken seiner Gelenke. Hinter seinem linken Ohr war ein frischer Kratzer und er hatte einen tiefen Biss in seinem rechten Oberschenkel.

Er rieb sich mit der Hand über den Kopf. Sein Haar war ganz dicht am Kopf rasiert und sträubte sich gegen seine Finger. Er hasste es, aber jeder Junge im Kinderheim hatte den gleichen Stoppelhaarschnitt. Das bedeutete, wenn sie am Wochenende in die Stadt durften, wusste jeder, dass sie St. Edmunds Jungs waren – und das war wohl der springende Punkt. Die Ladenbesitzer wussten, nach wem sie Ausschau halten sollten. Nicht, dass die Jungs selbst irgendetwas getan hätten, um die Erwartungen zu untergraben. Man hatte ihnen so oft gesagt, sie seien der Abschaum der Gesellschaft, zurückgelassen und unerwünscht – warum also nicht ein wenig Chaos anrichten?

Remus hörte Schritte am Ende der Halle. Es war die Hausmutter; er konnte sie riechen, ihren Herzschlag hören. Seine Sinne waren nach einer seiner Episoden immer verstärkt. Er stand auf, hüllte sich trotz der Hitze eine Decke, und tapste zur Tür, um besser zuhören zu können. Sie war nicht allein, es war ein Mann bei ihr. Er roch alt und irgendwie. . . anders. Ein dicker, eiserner Duft, der Remus vage an seinen Vater erinnerte. Es war Magie.

"Sind Sie sicher, dass er Ihre Zeit wert ist?", fragte die Hausmutter den Fremden: "Er ist wirklich einer unserer schlimmsten Fälle."

"Oh ja", erwiderte der alte Mann. Seine Stimme war satt und warm wie Schokolade. "Wir sind uns sehr sicher. Ist das der Ort, wo Sie ihn festhalten während. . . ?"

"Seiner Episoden", beendete die Hausmutter mit ihrer knappen Art. "Zu seiner eigenen Sicherheit. Er hat angefangen zu beißen, seit seinem letzten Geburtstag."

Die Antwort des Mannes klang eher nachdenklich als besorgt: "Ich verstehe. Darf ich fragen, gnädige Frau, was wissen Sie über das Leiden des jungen Mannes?"

"Alles, was ich wissen muss", antwortete sie kalt. "Er ist hier, seit er fünf ist. Und er hat immer Ärger gemacht – nicht nur, weil er einer von Ihrer Sorte ist."

"Meine Sorte?", erwiderte der Mann ruhig und ungestört. Die Hausmutter senkte ihre Stimme fast zu einem Flüstern, aber Remus konnte sie noch hören.

"Mein Bruder war einer. Ich habe ihn natürlich seit Jahren nicht gesehen, aber er bittet mich ab und zu um Gefallen. St. Edmunds ist eine ganz besondere Einrichtung. Wir sind für Problemfälle gerüstet."

Remus hörte Schlüssel klimpern: "Nun, lassen Sie mich ihn zuerst ansehen. Er muss oft verarztet werden. Ich weiß nicht, warum Sie ihn überhaupt nach Vollmond sehen wollten, wenn Sie es schon gewusst haben."

Der alte Mann antwortete nicht, und die Hausmutter ging auf Remus‘ Zimmer zu, ihre Lackleder-Absätze klickten auf den Steinboden. Sie klopfte dreimal an die Tür.

"Lupin? Bist du wach?"

"Ja", erwiderte er und zog seine Decke enger um sich. Sie zogen ihm immer die Kleider aus, damit sie nicht von ihm zerrissen wurden.

"Ja, Hausmutter", korrigierte sie ihn, durch die Tür.

"Ja, Hausmutter", murmelte Remus, als der Schlüssel sich im Schloss herumdrehte und die Tür sich knarrend einen Spalt öffnete. Die Tür war aus einfachem Holz, und er wusste, dass er sie während einer Episode leicht zerschlagen konnte, aber sie war nach dem Fenstervorfall mit einer Versilberung versehen worden. Allein der Geruch bereitete ihm Schwindel und Kopfschmerzen. Die Tür öffnete sich nun komplett und Licht strömte wie Wasser in den Raum, weshalb er blinzeln musste. Als die Hausmutter den Raum betrat, trat er automatisch einen Schritt zurück.

Sie war eine vogelähnliche, spitze Frau, mit einer langen, dünnen Nase und dunklen Augen. Sie betrachtete ihn vorsichtig. "Brauchst du diesmal einen Verband?" Er zeigte ihr seine Wunden; sie bluteten nicht mehr. Er hatte bemerkt, dass die Wunden, die er sich selbst zufügte, schneller heilten als alle anderen Schnitte und Schrammen, obwohl sie relativ tief waren. Er brauchte nicht einmal mehr genäht zu werden. Die Narben verblassten jedoch nie und hinterließen silberne Schrägstriche am ganzen Körper. Die Hausmutter kniete vor ihm nieder, betupfte ihn mit Antiseptikum und wickelte ihn in einen juckenden Mullverband. Daraufhin reichte sie ihm seine Kleidung und er zog sich schnell vor ihr an.

"Du hast Besuch", sagte sie endlich, als er sein T-Shirt über den Kopf zog. Es war grau, wie seine ganze restliche Kleidung.

"Wer?", fragte er und schaute ihr in die Augen, weil er wusste, dass ihr das nicht gefiel.

"Ein Lehrer. Er ist hier, um mit dir über die Schule zu sprechen."

"Ich will nicht", antwortete er. Er hasste die Schule. "Sag ihm, er soll verschwinden."

Die Hausmutter griff nach seinem Ohr. Remus hatte dies erwartet und zuckte dabei nicht.

"Genug von diesen Unverschämtheiten", rief sie. "Du tust, was man dir sagt, oder ich lasse dich für den Rest des Tages hier drin. Jetzt komm schon." Sie packte seine Arme und zog ihn nach vorne.

Er wurde missmutig, dachte daran, sich zu wehren, aber es war sinnlos. Sie könnte ihn wieder einsperren und er war neugierig auf den Fremden. Besonders, als der Duft der Magie stärker wurde, als sie den schattigen Korridor hinunterliefen.

Der Mann, der auf sie wartete, war ziemlich groß und trug den seltsamsten Anzug, den Remus je gesehen hatte. Er war aus tiefbraunem Samt, mit aufwendigen Goldstickereien an den Ärmelbündchen und am Revers; seine Krawatte war mitternachtsblau. Er musste sehr alt sein – sein Haar war weiß wie Schnee und er hatte einen unglaublich langen Bart, der ihm bis zum Nabel reichte. So seltsam er aussah, Remus fühlte sich nicht eingeschüchtert, wie er es bei den meisten Erwachsenen war. Der Mann hatte freundliche Augen und lächelte Remus über eine Halbmondbrille an, als sie sich näherten. Er streckte eine Hand aus, "Mr. Lupin", sagte der alte Mann warmherzig, "Freut mich, dich kennenzulernen."

Remus starrte, begeistert. Noch nie hatte ihn jemand so respektvoll angesprochen. Es war ihm fast peinlich. Er schüttelte dem Mann die Hand und spürte dabei eine elektrische Verbrennung, wie Batteriesäure. "Hi. " antwortete er und starrte ihn an.

"Ich bin Professor Dumbledore. Ich frage mich, ob Sie mit mir über das Gelände gehen würden. Es ist so ein schöner Tag draußen." Remus warf der Hausmutter einen Blick zu, die nickte. Das allein war es wert, mit einem seltsam gekleideten Fremden über die Schule sprechen zu müssen – sie ließ ihn bei Vollmond nie raus, auch nicht unter Aufsicht.

Sie gingen noch ein paar Gänge entlang, nur die beiden. Remus war sich sicher, dass er Dumbledore noch nie in St. Edmunds gesehen hatte, aber er schien sich zurecht zu finden. Als sie endlich draußen waren, atmete Remus tief ein, die warme Sommersonne überschwemmte ihn. Die 'Anlagen', wie Dumbledore sie genannt hatte, waren nicht umfangreich. Dazu gehörte ein gelbes Rasenstück, auf dem die Jungs Fußball spielten und eine kleine Terrasse voller Unkraut, welches durch die Risse im Pflaster wuchs.

Der alte Mann fragte: "Wie geht es dir, Mr. Lupin?" Remus zuckte mit den Schultern. Er fühlte sich genauso, wie er es danach immer tat. Wund und unruhig. Dumbledore tadelte ihn nicht wegen seiner Frechheit, sondern lächelte ihn nur an, während sie langsam um den Zaun gingen.

"Was wollen Sie?" fragte Remus schließlich und kickte dabei einen Stein aus dem Weg.

"Ich vermute, du hast bereits eine Ahnung", erwiderte Dumbledore. Er griff in seine Tasche und zog eine braune Papiertüte heraus. Remus konnte Sherbet-Zitrone riechen, und Dumbledore bot ihm eine Süßigkeit an. Er nahm das Bonbon und lutschte. "Sie sind magisch", sagte er ganz deutlich. "Wie mein Vater."

"Erinnerst du dich an deinen Vater, Remus?" Er zuckte wieder mit den Schultern. Es erinnerte sich nur kaum an ihn. Alles, an was er sich je erinnern konnte, war die Gestalt eines hohen, dünnen Mannes, der einen langen Umhang trug und sich weinend über ihn beugte. Er nahm an, das war die Nacht gewesen, in der er gebissen wurde. Daran erinnerte er sich, gut genug.

"Er war magisch", sagte Remus. "Er konnte Dinge geschehen lassen. Mama war normal."

Dumbledore lächelte ihn freundlich an. "Ist es das, was deine Hausmutter dir gesagt hat?"

"Einiges davon. Anderes wusste ich selbst. Er ist sowieso tot, hat sich selbst umgebracht."

Dumbledore sah leicht verblüfft aus, was Remus gefiel. Man konnte ein wenig stolz sein, wenn man eine tragische Vorgeschichte hatte. Er dachte nicht oft an seinen Vater, außer daran, ob er sich vielleicht nicht umgebracht hätte, wenn Remus nicht gebissen worden wäre.

Er machte weiter. "Mum ist aber nicht tot; sie wollte mich nur nicht. Also bin ich hier." Er sah sich um. Dumbledore war stehen geblieben. Sie waren jetzt am äußersten Ende des Geländes, am hohen hinteren Zaun. Da war ein loses Brett, von dem niemand wusste. Remus konnte durchschlüpfen, wenn er wollte, und auf die Hauptstraße in die Stadt gelangen. Er ging nie wirklich mit einem Ziel irgendwo hin; er irrte nur herum und wartete darauf, dass die Polizei ihn abholte und zurückbrachte. Es war besser, als nichts zu tun.

"Gefällt es dir hier?", fragte Dumbledore.
Remus schniefte: "Verdammt, nein." Er beobachtete Dumbledore von der Seite, aber er bekam keine Probleme, weil er fluchte. "Nein, das habe ich nicht gedacht", bemerkte der alte Mann. "Ich habe gehört, du bist ein Unruhestifter, ist das richtig?"

"Nicht schlimmer als die anderen hier", sagte Remus. "Wir sind gestörte Jungs."

Dumbledore streichelte seinen Bart, als hätte Remus etwas von äußerster Bedeutung gesagt. "Ja, ich verstehe."

"Haben Sie noch eine Süßigkeit?", fragte Remus, erwartungsvoll die Hand ausstreckend. Dumbledore gab ihm die ganze Tüte und er konnte sein Glück kaum fassen. Der alte Narr war leicht herumzukriegen. Dieses Mal kaute er die Bonbons. Er spürte, wie sie zwischen seinen Zähnen knirschten und Brausepulver wie ein Feuerwerk auf seiner Zunge explodierte.

"Ich leite eine Schule, weißt du. Die gleiche Schule, auf der dein Vater war." Dies erstaunte Remus. Er schluckte die Süßigkeiten herunter und kratzte sich am Kopf. Dumbledore fuhr fort: "Es ist eine ganz besondere Art von Schule. Für Zauberer wie mich. Und wie dich. Möchtest du zaubern lernen, Remus?"

Remus schüttelte inbrünstig den Kopf. "Ich bin zu dumm." Er sagte fest: "Ich komme da nicht rein."

"Ich bin sicher, das ist überhaupt nicht wahr." "Frag sie", Remus drehte den Kopf zurück zu dem hohen grauen Gebäude, wo die Hausmutter lauerte. "Ich kann kaum lesen. Ich bin dumm."

Dumbledore schaute ihn sehr lange an. "Du hattest keinen leichten Start ins Leben, Mr. Lupin, und das tut mir leid. Ich kannte deinen Vater – nur ein wenig – und ich bin sicher, er hätte es nicht gewollt. . . jedenfalls, ich bin hier, um dir etwas anderes anzubieten. Ein Platz unter deiner Art. Vielleicht sogar eine Möglichkeit, all diese Wut, die du hast, zu kanalisieren."

Remus starrte ihn an. Welchen Unterschied machte es, ob er in dem einen oder anderen Heim war? Die Hausmutter gab ihm nie Süßigkeiten und es roch nicht nach Magie. Die Kinder von Dumbledore’s Schule konnten nicht schlimmer sein als die Jungs von St. Edmunds, und wenn sie es waren, dann konnte er sich wenigstens im Kampf behaupten. Aber. . . Es gab immer ein 'aber'.

"Was ist mit meinen Episoden?", fragte er mit verschränkten Armen. "Ich bin gefährlich, wissen Sie."

"Ja, Remus, ich weiß", erwiderte Dumbledore traurig. Er legte eine Hand auf Remus' Schulter, ganz sanft. "Wir werden sehen, was wir uns einfallen lassen können. Überlass das mir."

Remus schüttelte ihn ab und kaute an einem weiteren Bonbon. Sie gingen schweigend zurück zum Gebäude; beide waren überzeugt, dass sie sich nun verstanden hatten.