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Fandom:
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Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Collections:
120_minuten - Sommerchallenge 2026 - Collection
Stats:
Published:
2026-09-13
Completed:
2026-09-13
Words:
2,353
Chapters:
2/2
Comments:
1
Kudos:
8
Hits:
42

Die zwei Fragezeichen

Summary:

Frank und Karl-Friedrich begegnen sich zum ersten Mal bei einem Pfadfinder-Zeltlager Anfang der 80er Jahre.

Chapter 1

Notes:

Sommerchallenge-Prompt: Reisen – „… hab‘ ich vergessen“
Genre: AU, different first meeting, characters as teenager
A/N: Eigentlich war ich eifrig am „Setting + Ei“ schreiben, aber dann war die Zeit schon fortgeschritten und die handelnden Personen noch kaum eingeführt. Da brauchte ich dann ein weiteres Prompt für einen zweiten Teil ;) Und die Handlung spielt Anfang der 80er, weil ich mich a) beim Alter verrechnet habe und b) zu der Zeit selbst Teenager war.
Länge: ~ 1000 Wörter
Zeit: ~ 80 Minuten

Chapter Text

***

 

Was auch immer mit seiner Mutter los war – das mußte ein Ende nehmen! Erst hatte sie ihn zur Konfirmation genötigt, trotz seiner Proteste, daß weder er noch seine Mutter und schon gar nicht sein Vater in den letzten Jahren auch nur einen Gottesdienst besucht hatten. Er war getauft, aber das war auch schon fast alles. Aber seine Mutter hatte sich in den Kopf gesetzt, daß die Konfirmation zum Erwachsenwerden dazugehörte, und daß das bei ihm längstens überfällig war. Wenigstens hatte er einiges an Geschenken aus der Sache rausgeholt, teilweise von Verwandten, von denen er noch nie etwas gehört hatte. Selbst Eberhard, der aktuelle Freund seiner Mutter, hatte was von rites of passages gemurmelt und ihm einen Zwanziger zugesteckt.

Daß sie ihn als nächstes bei den Pfadfindern angemeldet hatte, war aber schon ein starkes Stück. Pfadfinder bedeutete Wandern und Natur und all so einen Mist. Und alles bloß, weil seine Mutter meinte, daß ihm in seinem jugendlichen Alter ein männliches Vorbild fehlte. Seine Verweise auf Eberhard hatte sie einfach beiseite gewischt. (Gut, ein Vorbild konnte man ihn auch nicht wirklich nennen, aber trotzdem. Immerhin war sie mit ihm zusammen.)

Und eh er sich versah, war er auch schon auf Pfadfinderfreizeit und konnte ein Drittel seiner Sommerferien irgendwo in NRW verbringen. Dabei wäre er sehr gerne alleine in Hamburg geblieben, während seine Mutter und Eberhard ihr Yoga Retreat Dingens machten. Er war nun wahrlich kein Kind mehr, er war sechzehn! Aber alle Verweise darauf, daß er nach der Konfirmation – ihre Idee! – quasi als erwachsen galt, waren ungehört geblieben.

Frank seufzte und bearbeitete den „Speer“, den sie schnitzen sollten, mit etwas mehr Kraft als zwingend nötig war. Und natürlich brach die Spitze gleich wieder ab, statt schärfer zu werden.

„Wenn du das Messer im optimalen Winkel ansetzen würdest, wäre das nicht passiert.“

Und natürlich hatte er als Neuer in der Truppe gleich die nervige kleine Brillenschlange als Zeltpartner abbekommen.

„Das war Absicht. Der Stock war zu lang.“

Die Nervensäge warf ihm einen skeptischen Blick zu, meinte dann aber: „Bei deiner Größe, oder vielleicht eher Nicht-Größe, könntest du recht haben.“

Er war kurz versucht, den Speer schon mal testweise zum Einsatz zu bringen, aber blöderweise war er gerade im Blickwinkel eines Betreuers. Noch so eine blöde Sache: Weil ihn seine Mutter für eine Freizeit von 12 bis 16 angemeldet hatte, saß er hier jetzt mit lauter Kleingewächs rum und die „Betreuer“ waren teilweise kaum älter als er selbst. Aber weil er eben noch nicht den großen Wachstumsschub erlebt hatte, hielten ihn die meisten für jünger. Deshalb hatte er auch Karl-Friedrich an der Backe.

„Soll ich dir nochmal zeigen, wie das geht?“

Wütend funkelte er Klaus an. „Klappt schon.“ Der Typ mit seinem Bartflaum konnte ihm echt gestohlen bleiben. Der war doch selbst noch nicht trocken hinter den Ohren, machte hier aber einen auf Erziehungsperson.

„Ich bin fertig“, verkündete derweil Karl-Friedrich neben ihm. „Hier.“

„Sehr gute Arbeit.“ Klaus betrachtete sich Karl-Friedrichs Machwerk, das zu seinem Ärger tatsächlich ziemlich professionell aussah. „Das hast du nicht zum ersten Mal gemacht, oder?“

„Tatsächlich braucht es nur die Anwendung einiger grundlegender Gesetze der Physik und etwas Fingerfertigkeit.“ Karl-Friedrich warf ihm einen Seitenblick zu. „Das ist eben nicht jedem gegeben.“

Klaus lachte und ging weiter.

„Blödmann“, zischte er giftig. „Meinst du das bringt dir was, wenn du dich bei dem einschleimst?“

„Es hat mir immerhin dich als Zeltpartner eingebracht“, erklärte der Kleine seelenruhig. „Es hat sich also durchaus gelohnt.“

„Du wolltest in mein Zelt?“ Er starrte den anderen ungläubig an.

„Unser Zelt.“ Karl-Friedrich zuckte mit den Schultern. „Und die anderen kenne ich alle schon. Von hier. Oder von der Schule.“

Das war … fast ein bißchen traurig. Er konnte nicht behaupten, daß er besonders nett zu dem anderen gewesen war, und wenn das für Karl-Friedrich schon als Gewinn durchging …

„Wenn du dich nicht beeilst, kommen wir zu spät zum Essen. Obwohl dir eine Mahlzeit weniger vermutlich nicht schaden würde.“

Andererseits: Er war wirklich eine Nervensäge.

 

***

 

Und eine müffelnde Nervensäge noch dazu. Frank kam gerade frisch geduscht ins Zelt, um sich aufs Ohr zu legen, und hier roch es wie in einem Pumakäfig. Jetzt verstand er langsam, warum sich seine Mutter so beklagt hatte vor ein paar Jahren, als er in die Pubertät gekommen war. Das war ja unerträglich.

„Boah, das mieft!“ Er schlug den Eingang ganz auf und versuchte mit seinem Handtuch Frischluft ins Zelt zu wedeln. „Wie hältst du das aus da drinnen? “

„Was?“ Karl-Friedrich sah ihn unschuldig an.

„Du hast doch auch geduscht, hast du denn kein Deo benutzt?“

„Ich bin überaus reinlich und wohlriechend“, gab der Knirps beleidigt zurück. „Wenn es hier riecht, dann höchstens wegen deiner ollen Socken.“

O.K., das war nicht ganz unberechtigt. Er stopfte seine Socken in die Plastiktüte mit der Dreckwäsche. Die Schuhe hatte er eh schon unter dem Außenzelt draußen stehen. Turnschuhe, was wollte man machen. Aber die Dinger waren der letzte Schrei.

„Das war aber höchstens zehn Prozent von dem Gestank hier drinnen. Hat dir denn noch niemand erklärt, daß man mit der Pubertät zu müffeln beginnt?“

„Ich weiß bestens Bescheid über die Pubertät und die damit einhergehenden körperlichen Veränderungen.“

„Ja klar.“ Er rollte die Augen. Herr Neunmalklug wußte natürlich Bescheid.

„Biologie ist mein Lieblingsfach.“

Frank seufzte. „Wissen alleine reicht nicht! Du mußt trotzdem ein Deo benutzen!“

Karl-Friedrich nuschelte etwas, was er nicht verstand.

„Was?“

„… hab‘ ich vergessen!“

„Ja, dann sag das doch!“ Er kramte in seinem Kulturbeutel. „Hier, du kannst dir meins leihen.“

„Wirklich?“ Karl-Friedrich sah ihn an, als wäre es das erste Mal, daß ihm jemand was geliehen hatte.

„Na klar, wirklich. Das reicht doch dicke für zwei. Hauptsache, du verschwindest jetzt nochmal im Sanitärbunker.“

Lüften, Deo und die Tatsache, daß er Karl-Friedrichs Dreckwäsche unauffällig bei seinen Socken in der luftdichten Plastiktüte verschwinden ließ, führten tatsächlich zu einem halbwegs erträglichen Zeltklima. Man konnte fast wieder den Wald riechen, wenn man den Duft des Deos ausblendete.

Wenn er Karl-Friedrich jetzt noch abgewöhnen konnte im Schlaf zu reden, bestand die Chance, daß er die nächsten beiden Wochen überlebte. Und noch wichtiger: Daß Karl-Friedrich die nächsten beiden Wochen überlebte.

 

* tbc *