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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-05-22
Updated:
2026-07-20
Words:
28,046
Chapters:
9/?
Comments:
5
Kudos:
11
Bookmarks:
1
Hits:
163

Eine unerwartete Wendung

Summary:

Wer hätte gedacht, dass ihr eine wilde Nacht zwei Streifen auf dem Schwangerschaftstest beschert. Jetzt musste sie nur noch herausfinden, wer dieser Satoru ohne Nachnamen war...

Notes:

Es fing mit einer vagen Idee an. Ich habe eine Vorstellung davon, wo es hingeht, aber der Rest ist noch offen.
Updates werden unregelmäßig kommen, dazu ist im Moment einfach zu viel los bei mir.
Hinterlasst mir immer gerne Kommentare, ich freue mich darüber!

Chapter Text

1. Kapitel
Die zwei blauen Streifen bildeten sich langsam immer deutlicher auf dem Test. Schon wieder…
Mit einem besiegten Seufzen schmiss Midora ihn zu den anderen positiven Schwangerschaftstests in das Waschbecken. Jetzt lagen da sechs Tests in einem Durcheinander, die ihr alle entgegenblitzten, dass sie sowas von schwanger war. Ein ganzes Arsenal an unbestreitbaren Plastikbeweisen, die im harten Halogenlicht ihres Badezimmers ihr fast schon hämisch entgegen leuchteten.
„Großartig, einfach großartig.“ Düster starrte sie auf ihren flachen Bauch hinab. Prüfend drückte sie auf ihren Unterbauch und spürte einen harten Druck dahinter. Ein fremdes, ungewohntes Gefühl der Enge. Es musste ja so kommen. Da hatte sie einmal einen One-Night-Stand und ließ sich gehen, und als Belohnung behielt sie ein kleines Anhängsel. Ein winziges, ungebetenes Schicksal, das einfach ungefragt die Kontrolle über ihren Körper übernommen hatte … wie ein Parasit.
Wenn ihre Rechnung stimmte, dann war sie in der achten oder neunten Schwangerschaftswoche … sie hatte nicht so ganz verstanden, wie es gezählt wurde. Durch den Stress und ihre Ignoranz hatte sie den Verdacht so lange ignoriert, bis ihr die morgendliche Übelkeit einen Strich durch die Rechnung machte. Jeden verdammten Morgen hatte die Galle in ihrer Kehle gebrannt und ihr die Realität aufgezwungen. Als Midora den Fakt, dass etwas anders war, nicht mehr ignorieren konnte, besorgte sie sich in ihrer Pause die verschiedenen Tests. Und nun stand sie hier in ihrem Bad und starrte auf die positiven Linien. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ein schnelles, panisches Hämmern, das die Stille des Raumes zerschnitt.
Entschlossen drehte sie sich um und ging in die Küche. Am liebsten würde sie Wein trinken, aber das ging ja nicht. Das erste von vermutlich tausend Verboten, die ab jetzt ihr Leben bestimmten. Sie öffnete den Kühlschrank und starrte den Inhalt an. Nichts sprach sie an und sie knallte die Tür wieder zu. Das monotone Summen des Geräts war das einzige Geräusch in ihrer viel zu leeren Wohnung.
Plötzlich war einfach alles zu viel … Wütend fegte sie den Stapel Papiere von der Theke. Die Blätter segelten langsam zu Boden. „VERFLUCHTE SCHEIßE!“ Sie trat nach ihrem Mülleimer und schleuderte ihn durch die Küche. Der Inhalt ergoss sich über den Boden, und ein Gemisch aus alten Essensresten und Verpackungsmüll blieb liegen. Als der Geruch nach altem, fettigem Essen ihre Sinne erreichte, kroch die Übelkeit in ihr hoch und ließ sie trocken würgen. Ein heftiger, saurer Krampf schüttelte ihren Magen. Schnell verschwand sie im Bad und schaffte es gerade noch rechtzeitig, sich über die Toilette zu beugen.
Nachdem die Übelkeitsattacke abgeklungen war, ließ Midora schwer atmend den Kopf hängen. Ihre Stirn ruhte auf dem kühlen, erlösenden Porzellan, während kalter Schweiß ihr den Nacken hinunterlief. Im Moment war sie so wütend, dass sie heulen könnte… Frust, Angst und purer Überforderung brachen wie eine Welle über ihr zusammen.

***
„Es sieht alles gut aus. Plazenta und Mutterkuchen sind ausgereift, der Embryo ist gut entwickelt. Das Herz schlägt kräftig und nach den Werten der Messung und Ihrer letzten Periode sind Sie in der 10. Schwangerschaftswoche. Herzlichen Glückwunsch, Frau Ank. Ich drucke Ihnen die Ultraschallbilder aus und erstelle Ihnen einen Mutterpass. Sie können sich wieder anziehen.“
Das sterile Weiß der Arztpraxis wirkte fast surreal. Midora nickte abwesend und schaute noch immer auf den Monitor, wo sie eben noch den Herzschlag ihres Babys sehen konnte. Ein schnelles, rhythmisches Flimmern – wumm-wumm-wumm –, das so gar nicht zu der lähmenden Stille in ihrem eigenen Kopf passen wollte. Ihr Blick ging ins Leere … Auch wenn sie gerade den Beweis ihrer Schwangerschaft gesehen hatte, kam es ihr immer noch völlig unwirklich vor. Als würde sie das Leben einer fremden Frau auf diesem Bildschirm betrachten.
„Frau Ank, ist alles in Ordnung?“
Die einfühlsame Stimme ihrer Ärztin riss sie aus dem benommenen Zustand.
„Was? Äh, ja … klar. Alles ok.“
Langsam zog sie sich an und nahm auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz. Sie ließ den musternden und verstehenden Blick über sich ergehen. Es roch nach Desinfektionsmittel und bedrückender Gewissheit.
„Ich verstehe, dass das ein ziemlicher Schock für Sie ist. Es war anscheinend nicht geplant. Wenn Sie sich gegen die Schwangerschaft entscheiden, haben Sie immer noch die Möglichkeit, einen Abbruch durchzuführen. Allerdings muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Zeit langsam knapp wird. Sollten Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie so schnell es geht einen Termin vereinbaren.“
„Ich verstehe.“ Und Midora verstand es wirklich. Sie hatte es zu lange ignoriert und damit stand sie jetzt buchstäblich mit dem Rücken zur Wand und musste sich entscheiden. Aber insgeheim wusste sie, dass sie das Kind behalten würde. Es war kein logischer Entschluss, sondern ein tiefes, fast trotziges Gefühl, das sich klammheimlich in ihr breitgemacht hatte. Dieses kleine Flimmern auf dem Monitor gehörte bereits zu ihr.
Midora lächelte ihre Ärztin an und streckte die Hand nach dem Mutterpass aus. Freudig wurde ihr der Pass in die Hand gedrückt … Worte waren für ihre Entscheidung nicht nötig.
„Nochmals herzlichen Glückwunsch, Frau Ank. Ich habe Ihnen die Vitaminpräparate aufgeschrieben, die Sie ab sofort nehmen sollen. Die Schwester wird Ihnen noch Blut abnehmen und die nächsten Termine vereinbaren. Beim nächsten Mal reden wir dann über den weiteren Verlauf. Sie bekommen auch noch einen Beutel mit Informationen und Proben ausgehändigt und können sich jetzt bis zum nächsten Termin mit dem Gedanken der Schwangerschaft auseinandersetzen. Falls Sie es brauchen, habe ich das Ultraschallbild zweimal gedruckt. Achten Sie auf sich.“
Während die Ärztin mit ihr sprach, nahm Midora alle Informationen auf und nickte automatisch. Ihre Finger streichelten das Ultraschallbild, das noch warm vom Drucker war, mechanisch verabschiedete sie sich. Sie ließ sich das Blut abnehmen, spürte den kurzen, scharfen Stich der Nadel kaum, vereinbarte die Termine und nahm die Mama-bag entgegen. Anschließend holte sie sich bei der Apotheke ihre Vitamine und holte sich unterwegs was zu Essen zum Mitnehmen. Zu Hause setzte sie sich vor den Fernseher, aß ihr Essen ohne den Geschmack wirklich wahrzunehmen und wühlte sich anschließend durch die Tasche.
„Nun sind wir also zu zweit.“ Sanft tätschelte sie ihren Bauch und las die Broschüre zur Geburtsbegleitung. Die bunten Bilder von glücklichen Müttern wirkten wie aus einer anderen Galaxie, doch als sie den Blick wieder auf das körnige Schwarz-Weiß-Bild des Ultraschalls richtete, entspannten sich ihre Schultern. „Wir werden das schon schaukeln, Pumpkin. Wäre doch gelacht.“ Leise unterhielt sie sich mit dem winzigen Wesen in ihr und zum ersten Mal war da kein Zorn mehr in ihrer Stimme, sondern ein ganz leiser, zerbrechlicher Funke von Vorfreude.

***
Warum war sie nochmal hier? Ach ja, um ihre masochistische Seite voll auszuleben und sich dem Familientribunal zu stellen. Nichts ist schöner, als sich am Sonntag bei Kaffee und Kuchen von der lieben Familie als Versager abstempeln zu lassen und auf seinen Platz verwiesen zu werden … vorzugsweise ganz weit weg von den restlichen Ank-Familienangehörigen. Nicht, dass sie ihren schlechten Einfluss auf die anderen ausweitet. Das schwere Silberbesteck klapperte leise gegen das teure Porzellan, ein vertrautes Geräusch, das Midora schon immer das Gefühl gegeben hatte, zu ersticken.
Am Tisch saßen sie alle in perfekter Eintracht. Ihr Vater, ihre Stiefmutter und ihre beide Vorzeigekinder, Ren und Saya. Ihre Stiefgeschwister, die wie immer aussahen, als wären sie frisch einem Modekatalog der extra Klasse entsprungen. Die beiden tuschelten bereits, noch bevor die Bombe überhaupt geplatzt war und grinsten hämisch in ihre Richtung.
Schließlich konnte Midora es nicht länger zurückhalten un platzte einfach mit der Nachricht raus. “Ich bin Schwanger.”

… …
… … …
„Du bist schwanger.“ Fassungslos sah ihre Stiefmutter sie an. Das Stück Erdbeertorte blieb ihr beinahe im Hals stecken. „Und wer bitteschön ist der Vater? Immerhin haben wir unseren neuen Schwiegersohn noch nicht kennengelernt, oder Kentaro?“
„Ein Kind?“, klinkte sich Ren sofort ein, wobei er seine Krawatte mit einer herablassenden Bewegung glattstrich. Er starrte Midora an, als wäre sie ein Schmutzfleck auf der makellosen Familiengeschichte.
„Also Midora. Wo ist der Vater? Wer ist er?“ mischte sich ihre Stiefmutter wieder ein.
Sie sah in die erwartungsvollen, fast schon gierigen Blicke der vier Personen am Tisch und zwang sich, die Wahrheit auszusprechen. „Ich weiß es nicht.“
Eine kurze Zeit sagte niemand etwas. Ren starrte sie fassungslos an, während Saya spöttisch auflachte und sich eine Hand vor den Mund hielt. Nur das Ticken der Standuhr im Salon durchschnitt die eisige Stille, bis ihr Vater seine Stimme erhob. „Du weißt es nicht …“
„Nein, ich weiß es nicht. Ich kenne ihn nicht, er war ein One-Night-Stand.“
„Das ist doch nicht zu fassen. KENTARO, was will sie uns denn noch antun? Hör mir mal gut zu, junges Fräulein. Du wirst dich um das Problem kümmern und wir müssen nie wieder darüber reden.“ Die Stiefmutter wedelte hysterisch mit ihrer perfekt manikürten Hand, als könnte sie Midoras Zustand einfach wie eine lästige Fliege wegscheuchen.
„Sag bloß, du hast dich wieder mit irgendwelchen Typen aus diesen zweifelhaften Clubs herumgetrieben, Midora? Wir versuchen gerade, wichtige Geschäftskontakte zu knüpfen und du bringst so ein Chaos an?“ Ren sah sie an, als hätte sie ihn persönlich beleidigt.
Seine jüngere Schwester Saya stieß ein theatralisches Seufzen aus und legte ihre zierliche Kuchengabel mit einem hellen Klirren ab. „Das ist ja mal wieder typisch. Mama, ich habe dir doch gesagt, dass sie ihr Leben nicht im Griff hat. Wie peinlich ist das bitte vor unseren Bekannten? Wenn das die Runde macht, stehe ich an der Uni da wie die Schwester von einer…“ Sie sprach das Wort nicht aus, aber ihr angewiderter Blick vollendete den Satz mühelos.
Ihr Vater seufzte nur schwer und sah sie mit einem bedeutungsvollen, enttäuschten Blick an, der ihr sagte, was für eine Schande sie für ihn als Tochter war. Es war dieser eine Blick, den er schon perfektioniert hatte, seit sie denken konnte … kalt, bewertend und unendlich distanziert.
„Midora, das kann doch wohl nicht dein Ernst sein. Ein Kind zu bekommen als ledige Frau, und das in unseren Kreisen!“
Auch wenn sie gewusst hatte, dass die Reaktion von ihrem Vater und ihrer Stiefmutter nicht gut ausfallen würde, spürte sie doch einen schmerzhaften Stich. Dass ihre Stiefgeschwister sofort in dieselbe Kerbe schlugen und gierig auf ihrer Demütigung herumhackten, machte es nur noch unerträglicher. Die geringste Hoffnung auf eine andere Reaktion als Ablehnung und Enttäuschung hatte sich damit auch verflüchtigt. Die Welle der Kälte, die ihr entgegenschlug, schnürte ihr für einen Moment die Luft ab.
„Vater …“, fing sie an, wurde aber sofort von ihrer Stiefmutter unterbrochen.
„Das ist ja absolut asozial“, murmelte Ren kopfschüttelnd und lehnte sich demonstrativ in seinem Stuhl zurück. „Ein namenloses Kind. Du ruinierst den Ruf unseres Nachnamens im Alleingang.“
„Wirklich, Midora, hast du überhaupt keinen Stolz?“, legte Saya nach, während sie sich demonstrativ von ihr wegdrehte. „Wie kann man sich nur so gehen lassen?“
“Die Kinder haben Recht meine Liebe. Aber ein Glück kann man das Problem schnell lösen. Ich werde gleich Dr. Koltmun kontaktieren, er wird dich bestimmt dazwischen schieben und es wegmachen. Ehrlich Midora, manchmal denke ich du legst es darauf an, unsere Familie zu beschämen.” Der Rest nickte zustimmend, während ihre Schwiegermutter nach ihrem Handy griff
„NEIN.“ Midora richtete sich wütend auf. Ihre Stühle scharrten laut über den Parkettboden. „Ich bin nicht hier, um euch um Erlaubnis oder Rat zu fragen. Ich wollte euch einfach wissen lassen, dass ihr Großeltern werdet.“
„Ich kann es nicht glauben, ich brauche einen Drink. Bring deine Tochter wieder zu Verstand, Kentaro. Ich bitte dich, Großeltern …“, damit erhob sich ihre Stiefmutter und ließ eine weitere Triade vom Stapel, während sie zur Bar ging. Das Eis klirrte aggressiv in ihrem Kristallglas.
„Sie hat nicht unrecht. Ein Kind braucht einen Vater. Und du brauchst einen Ehemann, jemanden, der euch versorgt. Wie willst du alleine für ein Kind sorgen? Hier kannst du nicht wieder einziehen.“ Die Worte ihres Vaters waren leise, aber sie trafen sie wie gezielte Nadelstiche. Hinter ihm nickten Ren und Saya im Gleichklang, stumme Zeugen einer geschlossenen Front gegen sie.
Midora nahm einen Schluck Wasser, um nicht all die Vorwürfe und Anschuldigungen gegen die vier vorzubringen, die ihr auf der Zunge lagen. Das Glas zitterte leicht in ihrer Hand, doch sie ballte die andere zur Faust und zwang sich zur Ruhe.
„Auch wenn du es vielleicht nicht glaubst, ich habe einen guten Job. Ich brauche keinen Mann, der mich versorgt. Und ich brauche keine Almosen von euch, noch möchte ich hier wieder einziehen! Ich wollte es euch einfach wissen lassen. Und jetzt muss ich auch los, ich habe noch zu tun.“
Ohne auf die Rufe ihrer Stiefmutter, das hämische Grinsen ihrer Stiefgeschwister oder die strenge Anrede ihres Vaters zu achten, eilte sie aus dem Raum und verließ das Anwesen. Es tat weh, dass sie anscheinend immer die Außenseiterrolle in ihrer Familie einnahm und ihre Stiefgeschwister immer perfekt waren. Die schwere Eichentür fiel hinter ihr ins Schloss, und erst draußen in der kühlen Nachmittagsluft konnte sie wieder richtig atmen.
Midora ignorierte jeden, der ihr begegnete, und eilte nach Hause. Für den Tag hatte sie genug von der emotionalen Achterbahnfahrt. Sie wollte sich einfach auf die Couch legen, die Hände schützend auf ihren Bauch legen und ausruhen. Sie brauchte diese Familie nicht. Weder die Kälte ihres Vaters, die Hysterie ihrer Stiefmutter, noch die Arroganz von Ren und Saya. Sie hatte jetzt ihr eigenes kleines Universum, das es zu beschützen galt.