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Der Schnee knirscht unter ihren Schuhen und ihr Atem bildet weiße Wolken vor dem sternenklaren Nachthimmel. Es ist wirklich klirrend kalt in dieser Nacht und so sehr er den Mann an seiner Seite liebt und auf dessen Schutz und seine eigenen Fähigkeiten vertraut, Leo ist doch froh um die vielen Taschenwärmer und die beiden großen Thermoskannen, die sie eingepackt haben.
An der Lichtung bleiben sie für einen Moment stehen. Leo weiß nicht, was er erwartet hat, aber außer ihnen ist hier niemand.
Adam macht ein paar Schritte auf die Lichtung und dreht sich einmal langsam um die eigene Achse. Leo spürt den Schutzschild wie warmes Wasser, das ihn überspült.
„Keiner da.“
Leo schließt zu ihm auf. Gemeinsam legen sie die letzten Schritte bis zum Felsen zurück, legen ihre Rucksäcke darauf ab, ehe Adam Leo die Räuberleiter macht und Leo ihn zu sich auf den Stein hochzieht.
„Der ist warm“, stellt er erstaunt fest. „Fühl mal.“
Adam zieht einen Handschuh aus und legt die Hand auf die glatte Oberfläche. „Hm. Ziemlich warm. Und weich.“
Sie sehen einander an.
An Adams langsamem Grinsen erkennt Leo, dass sie den gleichen Gedanken haben. Wie perfekt das für ihr Vorhaben ist. Für das Opfer, das sie heute Nacht hier darbringen wollen.
Er streckt die Hand nach Adam aus, zieht ihn zu sich heran und küsst ihn, hellwach und verheißungsvoll, und um sie herum rauscht der Wald wie ein Echo ihrer Kraft.
Adams kalte Finger schieben sich vorwitzig unter Leos Jacke und Pullover, lassen ihn schaudern.
„Zieh das aus…“
„Moment.“ Umständlich zerrt Leo die Decke aus seinem Rucksack. Der Stein mag vielleicht warm sein, aber die Luft ist kalt und ob Adams Fähigkeiten vor Unterkühlung schützen, will er nicht ausprobieren. Adam setzt sich auf und seufzt, bis Leo Arme und Decke um ihn legt und ihn wieder küsst.
„Ausziehen“, murrt er dann aber doch ungeduldig. „Was ist das denn für ein Ritual, wenn wir die Jacken anlassen?“
„Schsch.“ Leo küsst ihn noch einmal, bevor er sich von ihm löst und sich seiner Jacke entledigt. Die Wärme des Steins sickert bereits in seine Knochen, fließt zwischen seinen Rippen seinen Rücken hinauf. „Nicht so viel reden. Wie bei Pusteblumen.“
Ein schnaubendes Lachen entfährt Adam, halb erstickt in dem Hoodie, den er sich gerade über den Kopf zieht, aber er schweigt. Warm und wärmer wird es unter ihnen, während sie sich ausziehen, als erwachte der Stein aus langem Schlaf. Als Leo sich hinkniet, um all ihre Kleidung ordentlich zusammen- und beiseitezulegen, schlingt Adam von hinten die Arme um ihn, presst sich gegen seinen Rücken, die Decke eine schützende Höhle um sie beide, und reibt seinen Schwanz langsam an Leos Arsch.
Leos eigener Schwanz zuckt interessiert. „So, ja?“
„Mmmm.“
„Gut, dann…“
Er hat sich vorhin unter der Dusche schon vorbereitet, aber der gelfeuchte Finger, den Adam in ihn schiebt, brennt trotzdem köstlich, dehnt ihn, bis er sich unter Adam windet und um mehr bettelt. Mit zwei Fingern stößt Adam tiefer in ihn, bis er den Punkt findet, der Leo mehr Sterne sehen lässt, als am tintenschwarzen Himmel leuchten.
„Mehr, Adam…“
„Geduld, mein Herz.“ Der Kosename kommt Adam so gut wie nie über die Lippen und wenn, dann nur scherzhaft, doch heute Nacht jagt er Leo Schauer über den Rücken und lässt ihn aufkeuchen, sein Atemstoß eine weiße Wolke vor seinem Gesicht. Hinter sich kann er die feuchten Geräusche hören, unter denen Adam sich selbst vorbereitet. Dann ist da endlich wieder Druck an seinem Loch, sanft zunächst, dann stärker, bis der Muskelring nachgibt und Adam einlässt.
Halb dringt Adam in ihn, halb kommt Leo ihm entgegen, bis sie so eng verbunden sind, wie es nur geht. Für einen Moment presst Adam seine Lippen auf Leos Nacken und verharrt, dann beginnt er sich zu bewegen.
Es scheint Leo, als bewegte er selbst sich ebenfalls. Oder bewegt sich der Stein? Seichte, große Wellen scheinen über die silberrote Oberfläche zu laufen, Leo Adams Bewegungen entgegenzutragen. Unter Leos Händen und Knien pulsiert ein schwerer, langsamer Herzschlag. Adams Atem und sein eigener kommen im selben Rhythmus, im selben Takt schweben Atemwolken vor Leos Augen. Die Hitze zwischen Stein und Decke umhüllt ihn ganz, Adam füllt ihn ganz aus. Als Leo seine eigene Erregung bewusst wahrnimmt, ist es schon fast zu spät, zäh und unaufhaltsam rollt sie durch seinen Körper, schüttelt ihn durch und lässt ihn kommen, im selben Moment, in dem Adam sich in ihn ergießt.
Die Tropfen scheinen im Stein zu versickern, ein unwirkliches Leuchten glimmt dort auf, wo sie verschwinden. Noch immer bewegt sich alles um Leo, alles außer Adam, und plötzlich ist es zu viel, ist es ihm unheimlich, die Magie viel zu schwer und präsent um ihn herum, sie legt sich auf seine Sinne und lässt ihn sich sehend blind fühlen.
Das Gewicht, die Hitze der Präsenz hinter ihm erdrücken ihn fast und er löst sich beinahe hektisch davon, krabbelt ein Stück vorwärts, bevor er sich umdreht und Adam ins Gesicht starrt.
Blaue Augen, schmutzig blondes Haar und die unregelmäßigen Bartstoppeln. Eine warme Röte auf den scharfen Wangenknochen. Und dieser unwirkliche Glanz, dieses Leuchten, die Wärme, die in Wellen auch von Adam ausgeht, der metallische Klang zum ersten Mal auch begleitet von einem metallischen Geruch, von dem Leo sich nicht mehr sicher ist, ob er dem Stein entstammt.
Ist es denn Adam, den er ansieht?
„Leo?“
„Ist das hier echt?“
Klein und kindlich klingt die Frage in seinen eigenen Ohren, aber Adam lacht ihn nicht aus. Stattdessen fragt er in einer Stimme, die ebenso klein klingt:
„Hast du Zweifel?“
„Nicht an dir“, murmelt Leo wie im Traum. „Nicht an uns. Nur daran, ob das hier…wirklich passiert. Ob du wirklich da bist.“
„Leo…“
Adams Hand zuckt, als wollte er nach Leo greifen. Es wäre eine so untypische Geste für ihn, dass Leo froh ist, dass er es nicht tut.
Doch er selbst streckt die Hand nach Adam aus, nimmt erst jetzt wahr, dass er selbst genauso unwirklich leuchtet. Das Leuchten springt über, als seine Finger Adam näherkommen, zieht einen Strang zwischen ihnen, verschmilzt, als Leos Hand endlich auf Adams Brust liegt.
Der kräftige Herzschlag unter seiner Handfläche unterscheidet sich endlich wieder von dem unwirklichen Pulsieren um sie herum, hallt nur in Leo selbst wider. Warm und ein bisschen rau vor Gänsehaut ist Adams Haut, einzelne Härchen kitzeln Leos Finger, und da ist die tintenschwarze Schlange, die an Leos Daumen züngelt. Unwillkürlich reibt Leo darüber, atmet tief durch und sieht Adam wieder in die Augen.
In Adams linkem Augenwinkel klebt noch ein winziges bisschen Schlafsand, seine Unterlippe ist rissig vor Kälte und seine Haare hängen ihm wirr und feucht in die Stirn. Es sind kleine Unperfektheiten, die ihn menschlich machen und Leos Herz zur Ruhe kommen lassen.
„Das ist kein Edding, das geht vom Reiben nicht weg. Ich übrigens auch nicht.“
Adam hebt anzüglich einen Mundwinkel und Leo prustet los.
„Auch nicht mit Spucke?“
„Was meinst - oh.“
Adam fällt beinahe hintüber, als Leo sich auf ihn stürzt, um ihm einen Knutschfleck auf der Brust zu verpassen, direkt über dem Kopf der Schlange.
„Der sieht ja aus wie ein Apfel“, stellt Adam später fest, nach zwei weiteren Runden, als es langsam hell wird und trotz Magie und Decke allmählich kühl auf dem Stein. „Hast du das mit Absicht gemacht?“
„Findest du?“, Leo legt den Kopf schief und hebt vorsichtig eine Hand. Macht Anstalten, Adam zu berühren, den Finger auf den Fleck zu legen, der sich dunkelrot und flächig vor ihm ausbreitet. „Wär ein komischer Apfel, aber…“
Und dann zuckt Leos Hand endgültig zurück.
„Leo?“
Adam hebt eine Augenbraue, betrachtet das mit einem Mal bleiche Gesicht seines Liebhabers und streckt nun seinerseits eine Hand aus. Kurz bevor er Leos Schulter berühren kann, durchläuft ihn ein Schauer.
„Nicht -“
Die Furcht, die Adam in Leos Augen sieht, schreckt ihn auf.
„Leo!“
„Das… oh…“
Adam will wieder nach Leo greifen. Wieder fasst seine Hand ins Leere.
„Siehst du es nicht? Siehst du da wirklich einen Apfel, Adam? Siehst du da nur einen Knutschfleck?“
Die Worte, panisch in einen stillen Morgen gesprochen, hallen wider. So laut, dass Adam einen erneuten Blick auf das Liebesmal auf seiner Brust wirft.
Es genauer betrachtet.
Versucht, zu analysieren, es auf den Kopf zu drehen, zu spiegeln, Winkel herauszugucken. Und dann…
Es fällt ihm wie Schuppen von den Augen.
Die leichte Erhebung, die Röte, die Art, wie es sich fast schon ledrig über seine Brust spannt. Ganz dicht am Maul der Schlange dunkler, fast schwarz erscheint.
Es könnte sein. Der Ort ist magisch; der Stein, auf dem sie liegen, alt und mächtig und voller Magie.
Es könnte sein.
„Leo, sieh mich an.“ Adam legt einen Ton in seine Stimme.
Unter normalen Umständen hätte er es nie gewagt, hätte es als unfair empfunden, Leo mit Magie, sei sie auch noch so subtil, anzusprechen, doch statt der üblichen Ruhe in Leos Augen findet Adam lediglich nackte Angst.
„Es ist in Ordnung, Leo. Kein Teufelsmal. Kein Teufelsmal, hörst du?“
Bevor Adam jedoch weiter ausführen kann, weshalb er sich so sicher ist, dass es sich bei dem Fleck keinesfalls um ein Teufelsmal handelt, niest er.
Es ist ein so irdisches, alltägliches Geräusch, eine so plötzliche Regung, dass Leo endlich wirklich aufschaut.
Adam ansieht, und diesmal nicht durch ihn hindurch, und dann, Adam fällt ein Stein vom Herzen, schmal und schön lächelt.
„Gesundheit.“
Auch Adam lächelt.
„Danke. Ist ein bisschen kalt hier, Magie hin oder her.“ Er schnappt sich Leos Pullover.
Eine Weile sind sie damit beschäftigt, sich anzuziehen, Adam findet sogar noch eine Packung Taschentücher in einer ihrer Jackentaschen.
„Außerdem“, sagt er irgendwann, während er in seine Schuhe schlüpft, „vergisst du eine Sache. Ein Teufelsmal ist zwar vielleicht problematisch -“
Leo starrt ihn an, also drückt Adam seinen Arm zärtlich und küsst ihn auf die Stirn.
„Aber andererseits könnten wir uns dann einfach auch an Vincent wenden. Ich glaube, der ist mit dem Herrn Satan ganz gut bekannt. Wahrscheinlich hat er ihm noch die Windeln gewechselt oder etwas in die Richtung.“
